
Follow the White Rabbit - Der IT-Security Podcast
#68: Altkonten, KI-Agenten und Schatten-IT: Warum Identitätsmanagement gerade brennt
Ein ehemaliger Mitarbeiter. Er ist schon seit zwei Jahren weg. Seine Berechtigung wurde nie entzogen. Es war weder ein Hack noch ein raffinierter Angriff – es war einfach nur ein Konto, das niemand abgeschaltet hat. Willkommen in der realen Welt des Identitätsmanagements! In dieser Folge von „Follow the White Rabbit” spricht Lisa Fröhlich mit Franziska Weiß, IAM-Evangelistin bei der Garancy AG, über das unspektakulärste und gleichzeitig wichtigste Fundament jeder Sicherheitsstrategie – und darüber, warum genau diese Unsichtbarkeit das eigentliche Problem ist. Identitätsmanagement hat ein Imageproblem. Kein Mensch steht morgens auf und denkt sich: „Heute durchkämme ich mal das Active Directory.” Kein CISO präsentiert stolz die Statistik der gelöschten Altkonten. Und trotzdem reicht ein einziges kompromittiertes Konto. Im Schnitt bewegen sich Angreifer über 100 Tage unentdeckt in Systemen. Franziska erklärt, warum dies nicht nur ein IT-, sondern ein Organisationsproblem ist – und warum Verbote allein Schatten-IT erzeugen, aber keine Sicherheit. Der Ausweg ist kein Verbotskatalog, sondern ein pragmatischer Ansatz: Sichtbarkeit schaffen, Verantwortung klären, Rollen definieren. Und dann kommen die KI-Agenten. Sie sind dynamisch, autonom und schwer zu kontrollieren – und vervielfachen in vielen Unternehmen gerade dabei, still und leise, die Komplexität. Anders als klassische Servicekonten lassen sie sich nicht einfach in Gruppen stecken oder mit Standardberechtigungen versehen. Wer jetzt noch nicht weiß, welche Identitäten in seiner Infrastruktur unterwegs sind, wird es bei KI-Agenten erst recht nicht wissen. Franziskas Botschaft ist klar: Wer das Fundament nicht kennt, dem stürzt das Dach ein. Takeaways Ein Konto reicht. Im Schnitt bewegen sich Angreifer über 100 Tage unentdeckt in Systemen – oft über ein übernommenes Konto, das längst hätte deaktiviert sein sollen. Identitätsmanagement ist kein Nice-to-have, sondern der erste Sicherheitsriegel. Sichtbarkeit ist der erste Schritt. Bevor man etwas kontrollieren kann, muss man wissen, was vorhanden ist. Welche Konten existieren? Worauf haben sie Zugriff? Wer ist verantwortlich? Diese drei Fragen sind der Einstieg in jede saubere Identitätsstrategie. Verbote erzeugen Schatten-IT und keine Sicherheit. Menschen wollen ihren Job machen. Wer sie zu sehr einschränkt, findet kreative Umwege – und diese liegen dann außerhalb jeder Kontrolle. Pragmatismus schlägt Überregulierung. KI-Agenten sprengen das klassische Identitätsmodell. Sie lassen sich nicht in AD-Gruppen stecken, kommunizieren anders als Servicekonten und entstehen und verschwinden dynamisch. Wer jetzt keine Governance für menschliche Identitäten hat, wird sie für KI-Agenten erst recht nicht haben. Identitätsmanagement ist Chefsache. NIS 2 schreibt es vor. Geschäftsführungen müssen geschult sein. Wer Sicherheit nicht von oben vorlebt, sollte sich nicht wundern, wenn Mitarbeitende ihr privates ChatGPT-Konto mit Unternehmensdaten füttern. Jetzt abonnieren – und keine Folge mehr verpassen Wenn dich diese Folge dazu gebracht hat, gedanklich in Richtung eurer IT-Abteilung zu laufen und zu fragen, wer eigentlich noch alles Zugriff auf was hat, dann ist das gut. Dann abonniere Follow the White Rabbit, hinterlasse eine Bewertung und schicke die Folge an alle, die gerade einen KI-Agenten deployen, bevor sie ihre Altkonten aufgeräumt haben. Links Franziska Weiß – IAM Evangelist bei Garancy AG | LinkedIn | OWASP: Broken Access Control – Top 10 Sicherheitsrisiken Microsoft: Active Directory Best Practices






