
Freies Radio Salzkammergut
Entfeuchtungsmechanismen in Gebäuden
Bauteiltemperierung ist überlegen Die weitverbreiteten ICOM-Klima-Standards, die 18 bis 20 Grad Raumtemperatur bei etwa 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit vorschreiben, gehen auf eine bloße Umfrage aus den 1950er Jahren zurück und stellen keineswegs ein optimales Klima dar. Alfons Huber zeigt auf, dass Luftheizung und Radiatorheizung durch einen multikausalen Entfeuchtungsmechanismus wirken: Die Außenluft wird über Wärmetauscher stark überhitzt, oft auf 40 bis 65 Grad, wodurch sie extrem hygroskopisch wird. Diese heiße Luft entzieht Feuchtigkeit aus Inventar und Bauteilen, transportiert sie konvektiv zu kühleren Außenwandecken und Wärmebrücken, wo es zur Kapillarkondensation kommt. Bereits ab einer Wandtemperatur, die nur 2,5 bis 3 Grad unter der Raumluft liegt, beginnt dieser Prozess, der sich durch steigende Bauteilfeuchte selbst verstärkt. Die Folge ist dramatisch: Ein Prozent mehr Bauteilfeuchte erhöht die Wärmeleitfähigkeit (Lambda) um etwa zehn Prozent und verschlechtert damit den U-Wert der Wand erheblich. Dieser Mechanismus erklärt nicht nur die beobachteten sehr niedrigen Feuchtewerte, sondern auch deutlich höhere Energieverbräuche bei konventionellen Heizsystemen. Im direkten Vergleich zweier Pförtnerhäuschen in Schloss Skokloster verbrauchte das mit Bauteiltemperierung ausgestattete Gebäude bei gleichem Temperatursollwert 28 Prozent weniger Energie als das radiatorbeheizte. Huber übertrug diese Erkenntnisse auf seine eigene Wohnung, ersetzte Konvektoren durch strahlungsbetonte Heizkörper und Eckheizkörper und erreichte so ein deutlich stabileres Klima mit minimalem Gradienten. Bauteiltemperierung vermeidet die Regler-Hysterese typischer Klimaanlagen, erzeugt glatte Klimakurven ohne Zacken und verhindert innere Verwitterung organischer Materialien. Gleichzeitig entsteht ein physiologisch angenehmeres Raumklima mit kühlerer Luft bei warmen Wänden. Quellen: Frederic Boody, Henning Großeschmidt, Wolfgang Kippes, Michael Kotterer (Hrsg.), Klima in Museen und historischen Gebäuden. Die Temperierung . EU-1383 Nähere [Informationen zur Temperierung](https://www.idam.at/bauphysik/bauteilheizung/). PREVENT, Wissenschaftliche Reihe Schloss Schönbrunn,Wien 2004. Alfons Huber, „Fenster im Kunsthistorischen Museum“. In: Technologische Studien des Kunsthistorischen Museums, Wien 2007, S. 154-189 Alfons Huber, „ Kontrollierter Luftwechsel – der Schlüssel für ein nachhaltiges Klimamanagement“, in: Technologische Studien des Kunsthistorischen Museums Bd. 6, Wien 2009, S. 10-45 Alfons Huber, Ökosystem Museum , Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften an der Akademie der bildenden KünsteWien, 2011 Alfons Huber, „Warme Wände“ oder „warme Luft“? Systemimmanente Tendenzen im Raumklimaverhalten bei unterschiedlichen Heizsystemen in Abhängigkeit vom Nutzerverhalten – ein Praxisvergleich.“ In: Die Temperierung. Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Nr. 8, München 2014, S. 61-74 Alfons Huber (mit Jochen Käferhaus und Roland Frey), Thermische Sanierung im Altbau-Bestand – Annäherung an eine objektive Evaluierung . S. 1-33, Wien 2014


