
Episode #104
Ulrike Sumfleth: Die NGO-Partei – ein Gegenmodell zur Macht der Konzerne?
Nichtregierungsorganisationen stehen zunehmend in der Kritik: Wer finanziert sie? Wessen Interessen vertreten sie? Und wie unabhängig sind sie tatsächlich? Die Hamburger Publizistin Ulrike Sumfleth stellt eine andere Machtfrage. In ihrem Buch „Macht neu verteilen – Wie eine NGO-Partei den Lobbyismus umkehrt“ argumentiert sie, dass nicht das Etikett NGO entscheidend sei, sondern Abhängigkeit, Finanzierung und die dahinterstehenden Netzwerke. Im Gespräch mit Patrik Baab entwickelt Sumfleth daraus eine ungewöhnliche Idee: eine „NGO-Partei“. Sie soll sich systematisch für konzern- und möglichst staatsunabhängige zivilgesellschaftliche Organisationen öffnen und deren Expertise stärker in politische Entscheidungen einbringen. Sumfleth selbst will keine solche Partei gründen, sondern versteht ihr Modell als Konzept und Diskussionsangebot. Im Zentrum steht ihre Kritik an der Macht großer Konzerne und vermögender Eigentümer. Sumfleth argumentiert, dass Kapital nicht nur wirtschaftliche Macht schafft, sondern auch Zugang zu Experten, Kommunikationsnetzwerken und politischer Beratung. Deshalb fragt sie: Wer bestimmt eigentlich, wer als Experte gehört wird? Doch könnte eine solche NGO-Partei nicht selbst zum Ziel von Lobbyisten werden? Wie verhindert man Karriereinteressen, Fraktionsmacht und Unterwanderung? Was passiert, sobald Koalitionen geschlossen werden müssen? Patrik Baab konfrontiert Sumfleths Modell mit genau den Problemen, die sie bestehenden Parteien vorwirft. Das Gespräch führt von staatlich finanzierten NGOs und sogenannten GONGOs über Lobbyismus und Transparenz bis zu Brüssel, dem BSW und der Frage nach einer neuen politischen Interessenvertretung. Besonders zugespitzt wird die Debatte, als Sumfleth die heutige gesellschaftliche Ungleichheit mit der Situation vor 1789 vergleicht und von einer „vorrevolutionären Phase“ spricht. Am Ende formuliert sie ein bewusst schmales politisches Fundament: höhere Steuern auf sehr große Vermögen und Konzerne sowie Klima-, Arten- und Umweltschutz. Bei einem anderen zentralen Thema räumt Sumfleth dagegen selbst eine Leerstelle ein: Krieg und Frieden habe sie in ihrem Buch nicht ausreichend behandelt. Themen dieser Folge: – NGOs, GONGOs und die Frage politischer Abhängigkeit – Wer besitzt gesellschaftliche Macht? – Konzernmacht und politische Einflussnetzwerke – Wer bestimmt, welche Experten gehört werden? – Was ist eine „NGO-Partei“? – 51 Prozent konzernunabhängige Politikberatung – Lobbyismus, Transparenz und politische Selbstbindung – Kann sich eine neue Partei vor Korruption schützen? – Zivilgesellschaft als politische Gegenmacht – Sumfleths Vergleich mit 1789 – Links und Rechts oder Gemeinwohl? – Milliardärssteuern und Konzernbesteuerung – Warum Krieg und Frieden im Buch eine Leerstelle bleiben Ulrike Sumfleth: „Ich sehe ehrlich gesagt die Weltgesellschaft in einer vorrevolutionären Phase.“ Kapitel: 00:00 – Begrüßung & Vorstellung von Ulrike Sumfleth 03:30 – Der Einfluss von Konzernmacht auf Wirtschaft & Gesellschaft 11:45 – Lobbyismus in den Schaltzentralen der Politik 19:20 – Wo versagen die etablierten Strukturen? 27:00 – Die Idee einer neuen Partei: Beweggründe & Vision 35:10 – Kernanliegen, Ziele und programmatische Schwerpunkte 41:30 – Wie geht es weiter? Mobilisierung & Ausblick 44:00 – Fazit & Verabschiedung Dieses Interview dient der politischen Meinungsbildung und freien Meinungsäußerung gemäß Art. 5 GG. Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus: https://www.patrikbaab.de/unterstuetzen Mehr: Website: https://www.patrikbaab.de Telegram: https://t.me/patrik_baab X: https://x.com/PatrikBaabOG © 2026 Patrik Baab






