
Episode #77
Anatomie im Yoga: Wie viel brauchst du wirklich?
Anatomie und Erleuchtung. Das klingt erst mal nach zwei Themen, die nichts miteinander zu tun haben. Trotzdem erreicht mich kaum eine Frage so häufig wie diese: „Können wir nicht mal mehr Anatomie machen?" Yogalehrende wünschen sich Workshops dazu, und viele haben den Eindruck, sie müssten einfach mehr wissen, um besser zu unterrichten. Auch Schüler:innen glauben oft, dass sie ihre Praxis besser verstehen würden, wenn sie nur genauer wüssten, was im Körper passiert. Ich verstehe die Frage. Und gleichzeitig macht sie mich jedes Mal ein wenig ratlos, weil ich gar nicht genau weiß, was damit eigentlich gemeint ist. Denn Anatomie im medizinischen Sinn, also Knochen benennen und wissen, wo sie liegen, danach fragt eigentlich niemand. Gemeint ist meistens etwas anderes: Wie mache ich es so, dass sich niemand verletzt. Was tue ich, wenn jemand mit Knieschmerzen vor mir steht. In dieser Folge räume ich auch mit einem Irrglauben auf. Viele denken, dass ich Asana besser unterrichte, weil ich Medizin studiert habe. Ehrlich gesagt benutze ich dieses Wissen fast nie. Und ich erzähle, warum ich glaube, dass hinter dem Wunsch nach mehr Anatomie oft etwas ganz anderes steckt, nämlich Unsicherheit. Der Gedanke dahinter ist verständlich: Mit genug Wissen kann ich diese Sorge endlich loslassen. Nur stimmt das vielleicht nur zum Teil, weil mit mehr Wissen über Verletzungen und Therapie manchmal auch die Sorge größer wird. Und diese Sorge geben wir dann weiter, an genau die Menschen, die zu uns in die Klasse kommen. Es geht außerdem um drei sehr einfache Dinge, die tatsächlich vor Verletzungen schützen und für die du kein anatomisches Wissen brauchst. Um die Frage, in welcher Rolle wir eigentlich stehen, wenn wir unterrichten. Und um das Iliosakralgelenk, wo zwei Lager sich sicher sind, dass die jeweils andere Seite gefährlich ist. Was mich daran hauptsächlich interessiert: Was sagt es uns eigentlich, wenn beide Seiten dieselbe Erfahrung machen? Erwähnte Folgen: Folge 20: Hands-On Assists, ja bitte Folge 27: Die Sucht nach Weiterbildungen (so wirst du sie los!) Folge 43: Asanas sind kein Yoga Folge 66: Der innere Kritiker im Yogaunterricht Wie ist das bei dir? Wünschst du dir mehr anatomisches Wissen, und was genau erhoffst du dir davon? Schreib mir gern, ich bin wirklich neugierig. Hier findest du mich: I nstagram: Unsere Fortbildungen und Ausbildungen im Studio Mein Buch "Das Ende deiner Suche" Kapitel: 00:00 Warum diese Folge mit einem Geständnis anfängt 00:50 Anatomie in einem Podcast über Erleuchtung? 01:11 Die Frage, die mir ständig gestellt wird 02:14 Warum sie mich jedes Mal ratlos macht 02:43 Was Anatomie eigentlich ist, und wo sie aufhört 03:59 Was Menschen wirklich meinen, wenn sie mehr Anatomie wollen 05:12 Der Irrglaube: Medizinstudium gleich besserer Unterricht 06:26 Fachbegriffe im Yogaunterricht, und was sie bringen 07:25 In welcher Rolle stehen wir beim Unterrichten? 08:26 Kommt Anatomie in den Yoga-Schriften überhaupt vor? 09:30 Wissen als Sicherheitsgefühl, und wie daraus neue Angst wird 10:35 Drei Basics: Gegendruck, Langsamkeit, Atem 11:56 Die Richtig-und-falsch-Falle 13:00 Wie wir Anatomie in der 300-Stunden-Ausbildung umgestellt haben 14:21 Das Iliosakralgelenk und die zwei Lager 16:02 Suchen, finden, loslassen

