
Episode #37
Drei Fristen, die niemand ankündigt
BSI-Registrierung abgelaufen • E-Rechnung in vier Monaten Pflicht • Mittelstand-Nachfolge stagniert Meldung 1: BSI-Registrierungsfrist abgelaufen Die Kulanzfrist des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die NIS-2-Registrierung endete am 31. Juli 2026. Gesetzlich war die Registrierung bereits am 6. März 2026 fällig. Von rund 29.500 betroffenen Einrichtungen hatten sich bis Ende Mai 2026 rund 18.500 registriert; die Zahlen für den Stichtag 31. Juli liegen noch nicht öffentlich vor. Nach Ablauf der Kulanzfrist ist mit konsequenterer Durchsetzung durch das BSI zu rechnen. Betroffene Sektoren (Auswahl, Anlagen 1 und 2 BSIG): Energie, Verkehr, Bankwesen, Gesundheit, Trinkwasser, Abwasser, Öffentliche Verwaltung, Digitale Infrastruktur (Anlage 1) Post- und Kurierdienste, Abfallwirtschaft, Chemie, Lebensmittelproduktion und -großhandel, Verarbeitendes Gewerbe (u.a. Medizinprodukte, Elektronik, Maschinenbau, Fahrzeugbau), Digitale Dienste (Anlage 2) Schwellenwerte: Besonders wichtige Einrichtungen: ab 250 Beschäftigte oder 50 Mio. Euro Umsatz und 43 Mio. Euro Bilanzsumme Wichtige Einrichtungen: ab 50 Beschäftigte oder 10 Mio. Euro Umsatz und 10 Mio. Euro Bilanzsumme Haftung: Die Geschäftsleitung haftet nach § 38 BSIG persönlich für die Einhaltung der NIS-2-Pflichten. Bußgeld für Verstöße gegen die Registrierungspflicht: bis zu 500.000 Euro. Für die Fachabteilung: Betroffenheitsprüfung des BSI unter bsi.bund.de. Rechtsgrundlage: NIS-2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG), in Kraft seit 6. Dezember 2025, umgesetzt im BSI-Gesetz (BSIG neue Fassung). Meldung 2: E-Rechnungspflicht ab 1. Januar 2027 Ab 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz (Jahr 2026) von mehr als 800.000 Euro ihre Rechnungen an inländische Geschäftskunden als strukturierte E-Rechnung nach EN 16931 ausstellen (z.B. XRechnung oder ZUGFeRD). Ein einfaches PDF erfüllt diese Anforderung nicht. Empfangspflicht: gilt für alle inländischen B2B-Unternehmen bereits seit 1. Januar 2025 Ausstellungspflicht ab 1. Januar 2027: Unternehmen mit Vorjahresumsatz über 800.000 Euro Ausstellungspflicht ab 1. Januar 2028: alle übrigen inländischen B2B-Unternehmen Ausgenommen: B2C-Rechnungen, Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro, Kleinunternehmer nach § 19 UStG (dauerhaft von Ausstellungspflicht befreit) Maßgeblich für die 800.000-Euro-Grenze ist der Gesamtumsatz des Jahres 2026 im Sinne von § 19 Abs. 2 UStG. Rechtsgrundlage: Wachstumschancengesetz, § 27 Abs. 38 UStG. Meldung 3: Unternehmensnachfolge im Mittelstand Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt in seiner Studie „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030" (Daten und Fakten Nr. 37, November 2025), dass im Zeitraum 2026 bis 2030 rund 186.000 Unternehmen in Deutschland zur Übergabe anstehen. Die Zahl der tatsächlichen Übergaben stagniert trotz zunehmender Alterung der Inhaber, weil sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschlechtert hat und Übernahmen für potenzielle Nachfolger weniger attraktiv erscheinen. Angebot-Nachfrage-Verhältnis: schlechter als 2:1 zuungunsten der Übergabewilligen Branchen mit höchsten Übergabezahlen: unternehmensbezogene Dienstleistungen, produzierendes Gewerbe, Handel Kurz notiert: Hintergrundzahlen Beitragsbemessungsgrenze GKV 2027: Anhebung um 300 Euro monatlich zusätzlich zur regulären Lohnanpassung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, veröffentlicht 29. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt). Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2027 prognostiziert auf 3,3 bis 3,7 Prozent (2026: 2,9 Prozent). Fachkräftemangel im Mittelstand: 44 Prozent der Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten und 47 Prozent der Betriebe mit 200 bis 999 Beschäftigten berichten von Stellenbesetzungsschwierigkeiten. Quelle: DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 (Erhebung Herbst 2025, rund 22.000 Unternehmen). Zahl des Tages: 11.000 Stand Ende Mai 2026: Von rund 29.500 NIS-2-pflichtigen Einrichtungen hatten sich rund 18.500 beim BSI registriert. Damit fehlten zu diesem Zeitpunkt rund 11.000 Registrierungen. Die Zahlen für den Stichtag 31. Juli 2026 lagen bis Produktionsschluss nicht öffentlich vor.

